Die Entstehung meines Buches 

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Während meines Ägyptologiestudiums in Basel stiess ich zufällig auf die Legende des Heiligen Mauritius und der thebäischen Legion. Diese Geschichte handelt von einer römischen Militäreinheit, die grösstenteils aus Ägyptern aus Theben bestand und angeblich an einem Ort den Märtyrertod starb, der heute St. Maurice heisst, eine Kleinstadt im Kanton Wallis in der Schweiz.

Das alte Ägypten – meine Leidenschaft – und Wallis – meine zweite Heimat – vereinen sich so in einer einzigen Geschichte. Das faszinierte mich.

Den Bericht über diese dramatischen Ereignisse in St. Maurice verdanken wir einem gewissen Bischof Eucherius, der um 450 n. Chr. in Lyon tätig war. In der Hagiographie über Mauritius beschreibt Eucherius, wie der römische Kaiser seiner überwiegend christlichen Legion befahl, sich aktiv an der Verfolgung der Christen in St. Maurice zu beteiligen. Mauritius und seine Truppen weigerten sich und wurden schliesslich alle ermordet.

Historisch gesehen spielt sich das Drama der Überlieferung zufolge im späten Römischen Reich ab, während der Zeit der sogenannten Tetrarchie, der „Herrschaft der Vier“. Das wissen wir, weil der Name des Kaisers in der Geschichte genannt wird: Kaiser Maximian. Zu jener Zeit – um 300 n. Chr. – wurde das Römische Reich von vier Kaisern regiert: zwei Oberkaisern – in diesem Fall Diokletian und Maximian – und ihren Adoptivsöhnen, ihren designierten Nachfolgern.

Wie es bei Legenden so ist, wurde auch diese im Laufe der Jahrhunderte erweitert und ausgeschmückt. Im 7. Jahrhundert erscheint eine Heiligenlegende, die das Leiden zweier Soldaten der thebäischen Legion, Ursus und Victor, beschreibt. Diesen beiden gelingt es, dem Gemetzel in St. Maurice zu entkommen und nach Solothurn zu fliehen. Dort holt sie jedoch das Schicksal ein, denn ein Richter verlangt von ihnen, ihrem christlichen Glauben abzuschwören. Sie weigern sich und werden daraufhin hingerichtet.

Im 10. Jahrhundert taucht die Biografie der Heiligen Verena auf, aus der wir neben ihrer Lebensgeschichte erfahren, dass sie Ägypterin war, eine Verwandte von Mauritius und zudem die Verlobte des thebäischen Soldaten Victor. Diese Erzählung berichtet auch, dass sie ebenfalls die lange Reise nach St. Maurice und weiter nach Solothurn unternahm, wenn auch nicht im Gefolge der Armee, wie es damals üblich war, sondern in Begleitung anderer Christen, vielleicht ursprünglich als eine Art Pilgerreise gedacht.

Die Verbindung zwischen diesen Legenden bildet die Inspiration für mein Buch, und als Frau ist es nur logisch, dass ich eine Frau, und dazu noch eine Ägypterin, als Hauptfigur gewählt habe.

Eine entscheidende Frage, die beantwortet werden musste, lautete: Was motivierte Verena, diese lange Reise anzutreten, vom tiefen Süden Ägyptens bis in die Berge der Schweiz?

Eine erste, einfache Antwort lautet: weil es möglich war.

Das spätrömische Reich verfügte über ein ausgedehntes, gut ausgebautes Strassennetz, das sich von Norden nach Süden und von Osten nach Westen erstreckte. Es war nicht ungewöhnlich, dass die Armee bei Bedarf militärische Einheiten schnell von einem Stützpunkt zum anderen verlegen konnte, was ja schliesslich der Hauptzweck war, für den die Strassen angelegt worden waren.

Und im Fall von Verena spielten möglicherweise die Christenverfolgungen, die in dieser Zeit wieder aufflammten, eine Rolle. Auch der Gütertransport, Händler und Bürger nutzten damals diese Infrastruktur.

Eine zweite Frage lautete: Was für Menschen waren diese Heiligen? Wie lebten sie, was fühlten sie, wie erlebten sie ihr Schicksal? Denn in ihren Lebensgeschichten werden sie immer als, nun ja, heilig dargestellt, ohne Furcht und Tadel.

Ich habe versucht, diesen Figuren ein menschliches Antlitz zu geben.

Der Roman beginnt mit Verenas Ankunft in Solothurn, wo sie sich schon bald in die Verenaschlucht zurückzieht, um über die Vergangenheit und alles, was sie seitdem erlebt hat, nachzudenken.

Langsam aber sicher öffnet sie sich einer älteren Frau, die ihr bei praktischen Sachen hilft, und in den folgenden Kapiteln erzählt sie von ihrer eigenen Vergangenheit, der ihres Onkels Mauritius sowie der ihres Verlobten Viktor und seines Freundes Ursus.

Diese Erinnerungen wechseln sich ab mit Beschreibungen der Ereignisse, die ihr in Solothurn widerfahren.

Da sich meine Deutschkenntnisse insbesondere während meiner Studienzeit enorm verbessert hatten, habe ich es gewagt, dieses Buch auf Deutsch zu schreiben. Wer es lesen möchte, kann es bei mir gegen Versandkosten bestellen.

Jetty Boots-Kaat, Verena von Thebai, Visp 2014

Taschenbuch, 198 Seiten

ISBN 978-3-906118-18-5

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