Ein Römisches Handelsschiff im Neuenburgersee

Die Entdeckung

Die Neuenburger Seeregion ist schon seit Urzeiten besiedelt und immer mal wieder für eine archäologische Überraschung gut. Neulich wurde bekannt, dass im Neuenburgersee eine komplette Schiffsladung aus Römischer Zeit geborgen wurde.

Ein Teil des Fundes

Die Ladung umfasste Keramik, Waffen, Werkzeugen und Pferdezaumzeug. Das Schiff selbst wurde (noch) nicht entdeckt, aber die Gegenstände waren ungebraucht und daher wahrscheinlich als Transportgütern für den Flusshandel bestimmt. Erste Untersuchungen konnten die Ladung in einem Zeitrahmen zwischen 50 v. Chr. und 50 n. Chr. datieren.

Das Projekt wird seit 2024 ausgeführt von der Schweizer gemeinnütziger Organisation Octopus Foundation in Zusammenarbeit mit Archäologen des Amtes für Archäologie des Kantons Neuenburg.

Fundort

Die Schiffsladung war Jahrhundertelang durch dicke Sedimentschichten geschützt. Weil das Gebiet nordöstlich des Seengebiets, wo der Fluss die Aare strömt, durch Sedimentablagerungen zunehmend versumpfte, wurde Mitte des 19. Jahrhunderts beschlossen, das Wasser der Aare in den Bielersee umzuleiten. Mit Kanälen zwischen den drei Jurarandseen (Bieler-, Neuenburger- und Murtensee) wurde mehr Abflusskapazität geschaffen und die ausgleichende Wirkung der drei zusammenhängenden Seen verbessert.  Zudem wurde der Seespiegel der drei Seen um mehrere Meter gesenkt. Solche Korrekturen erfolgten Mitte des 20. Jahrhundert erneut, mit dem Ziel der Wasserstand der Seen und Aare besser zu regulieren und zu kontrollieren.

Die Folge dieser Korrekturen war, dass die Strömung im Seensystem sich zu ändern begann – wie ein umgeleiteter Fluss – und dadurch erodierte die schützende Sedimentschicht über der Schiffsladung.

Teamwork

Um diese aussergewöhnlichen Artefakte zu sichern, zu konservieren und gegen potenzielle Plünderer zu schützen, wurde beschlossen die Ladung so rasch wie möglich zu bergen. In einer zweijährigen Ausgrabungskampagne ist nun ein Grossteil des Fundes gesichert. Weitere Ausgrabungen werden zweifellos noch mehr ans Licht bringen.

Die Ergebnisse der Untersuchung sollen 2027 in einer Videodokumentation und einem Buch vorgestellt werden. Die Fundstücke werden schließlich im Laténium in Neuenburg, dem grössten archäologischen Museum der Schweiz, ausgestellt.

Archeologie onder water

Für weitere Bilder und Details zu den Funden und Grabungsmethoden und -Berichten verweise ich gerne nochmals auf die Webseite der Octopus Foundation, die mir auch freundlicherweise einige ihrer Fotos zur Verfügung stellte (merci beaucoup, Julien!).


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