
Unser Ausflug rund um Pokhara begann an diesem Tag mit dem Gurkha-Museum, in dem erzählt wird, wie die Gurkhas zu ihrem Ruhm gelangten. Kurz gesagt: Im Jahr 1815 entsandte die britische Kolonialmacht in Indien Truppen in das aufständische Königreich der Gurkhas, das die Briten aufgrund seines Expansionsstrebens zum Eingreifen zwang. Die Truppen der Gurkhas drängten die Briten zurück, doch in der nördlichen Grenzregion zwischen Indien und Nepal blieb es unruhig. Schliesslich, nach vielen Kämpfen auf beiden Seiten, wurde zwischen den Briten und den Gurkhas ein Vertrag geschlossen, das Königreich Gurkha gab besetzte Gebiete in Indien auf und Gurkha-Soldaten wurden aufgrund ihrer Tapferkeit und Durchhaltevermögen – bis zum heutigen Tag – als Elitetruppen in die britische Armee aufgenommen.

Ursprünglich stammten die Gurkhas ausschliesslich aus dem späteren nepalesischen Distrikt Gurkha, heute kommen sie aus ganz Nepal. Es handelt sich um Elitesoldaten, und um Gurkha zu werden, muss man sehr hohe Anforderungen erfüllen. Pro Jahr stehen auch nur wenige Ausbildungsplätze zur Verfügung, die aber offenbar sehr begehrt sind, denn jedes Jahr bewerben sich weit mehr Kandidaten, als aufgenommen werden können. Ein ausserordentlich interessantes Museum.
Danach fuhren wir weiter, hinauf in die Hügel. Auf einem der Gipfel liegt der Shiva-Tempel. Die Fahrt dorthin war abenteuerlich, auch hier gab es viele Abschnitte auf unbefestigter Strasse, aber ich muss sagen, unser Busfahrer hat das prima gemeistert; er hatte sichtlich Erfahrung mit Bergstrassen. Ich hatte keinen Moment Angst, mit ihm am Steuer.

Oben angekommen, mussten wir noch ein Stück zu Fuss weitergehen. Wie üblich blieb ich schnell zurück, ich konnte mit dem Tempo meiner Mitreisenden einfach nicht mithalten, aber Rajin, unser nepalesischer Reiseleiter, entpuppte sich als mein Beschützer. Er lief mit mir mit, sorgte für Wasser und hielt mir sogar einen Regenschirm über den Kopf, um mich vor der Sonne zu schützen! Sehr aufmerksam. An der letzten Kurve bot sich uns plötzlich der Blick auf die riesige Shiva-Statue – wirklich sensationell!

Währenddessen erzählte Rajin alles Mögliche über Shiva und seine Gefährten. In der hinduistischen Götterwelt gibt es drei Hauptgötter oder drei Aspekte der Hauptgottheit: den Schöpfer (Brahma), den Erhalter (Vishnu) und den Zerstörer, also Shiva. Er ist eine interessante Figur mit einem ziemlich hitzigen Charakter. Der Legende nach ist Parvati seine Frau, und ihr Sohn Ganesh verdankt sein Elefantenkopf Shivas aufbrausendem Wesen.
Es war wirklich einen wunderschönen Stupa, und der Blick vom Gipfel des Hügels hinunter ins Tal war ebenfalls beeindruckend. Leider war es zu bewölkt, um etwas vom Annapurna-Massiv zu sehen, das man von hier aus normalerweise hervorragend sehen kann. Wir sind um den Tempel herumgelaufen, um alles zu bestaunen.

Gegenüber diesem Tempel liegt auf einem Zwillingshügel ein Tempel einer Göttin, nach meinen Recherchen die Muttergöttin Durga. Nachdem wir alles ausgiebig bewundert hatten, ging es wieder hinunter, wo wir in einem kleinen Imbiss an der Strasse etwas getrunken haben.

Unser letzter Halt führte uns wieder hinunter zum International Mountain Museum. Dort wird die Geschichte der verschiedenen Besteigungen der höchsten Gipfel des Himalayas erzählt, ebenso wie von der Bevölkerung, die in dieser Region lebt, ihren unterschiedlichen Kulturen und den wissenschaftlichen und ökologischen Aspekten dieser Gegend. Es war schön, dass Rajin mich auch hier begleitete und mir das eine oder andere über die verschiedenen Berggipfel und die Bevölkerungsgruppen erzählte. Er ist eindeutig ein Fan seines eigenen Landes, er weiss viel und erzählt gerne.
Am Nachmittag waren wir wieder zurück im Hotel. Es war den ganzen Tag drückend heiss gewesen, und als wir am Hotel ankamen, regnete es wieder, es gab sogar Gewitter. Nach einer kleinen Pause haben wir im Garten unter einem Vordach (wegen des Regens) ein Bier getrunken. Als es wieder trocken wurde, beschloss der Rest der Gruppe, noch einmal in die Stadt zu gehen, worauf wir aber keine Lust hatten. Durch den Regen war es deutlich kühler geworden, und es war nun angenehm, in diesem herrlichen Hotelgarten zu verweilen, wo wir später auch ausgezeichnet gegessen haben.
Am nächsten Tag begann eine dreitägige Reise nach Chitwan im Süden Nepals.

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